Fahrradtour Lahn - Rhein 2014

 

 

 


Hallo liebe Radlerfreunde, es wurde Frühjahr und es drängte mich massiv nach draußen. Die Tour ging vom 30.04. - 04.05.2014. Die Wettervorhersage war zwar durch- wachsen. Es stellte sich dann jedoch heraus, dass das Wetter weitgehend sonnig und schön war. Es wäre jammerschade gewesen, nicht loszufahren.
Die Gesamtstrecke belief sich auf rund 400 km. Ich habe die Tour 2017 mit Komoot, einem Navigationssystem für Wanderer und Fahrradfahrer, welches ich seit 2015 einsetze, nachgeplant und so kann man sich den Streckenverlauf durch Anklicken ansehen. Die gefahrenen Kilometer weichen von den Plankilometern ab, da kleine Zusatzstücke und Irrwege im Plan nicht enthalten sind.

Die Anregung für die Tour kam wie schon so oft über das Internet, speziell die Seite http://www.velofahren.de/reiseberichte.html, die vom Betreiber, einem Schweizer, wohl hobbymäßig betreut wird. Die Tour habe ich im übrigen - soviel Ehrlichkeit muss sein - mit meinem seit Sommer 2013 zu einem Pedelec umgerüsteten Fahrrad durchgeführt.
Die Angaben in Klammern sind Höhenmeter.

Wer Interesse an meinen anderen, ins Netz gestellten Touren hat, einfach zum Ende der Seite scrollen
 

1. Tag: Anreise nach Siegen und Fahrt zur Quelle im Rothaargebirge und von dort bis Marburg 92 km  

Mit der Bahn ging es zunächst von Göppingen nach Siegen. Angeblich war der Zug von Stuttgart nach Frankfurt völlig ausgebucht. Ich habe den Zug dann trotzdem genommen und saß fast allein im Fahrradabteil. Man kann sich über die Software der Bahn nur immer wieder wundern.

In Siegen (267) angekommen war es nicht ganz einfach, die richtige Ausfahrt aus der Stadt ins Siegtal Richtung Netphen zu finden, aber nach einigem Herumkurven hat es dann geklappt. Ich fuhr damals ganz altmodisch immer noch ohne GPS, wobei es ja auch da schon besondere Aha-Erlebnisse gegeben haben soll. Jedenfalls fährt man im Siegtal weiter vorbei an Deuz, verlässt dort das Siegtal und fährt auf dem Fahrradweg weiter über Helgersdorf, vorbei an Hainichen - dort vorher links ab - hoch zum Lahnhof.
Es geht dort auf dem Rothaarsteig recht steil nach oben ins Rothaargebirge und dort erwischte mich dann zum ersten Mal ein kräftiger Regenschauer, dessen Ende ich im Lahnhof, einem Restaurant bei einem Café aussaß.  Die Lahnquelle (609) befindet sich rechts der Landstraße kurz nach dem Forsthaus Lahnquelle. Dort liegt der kleine Quellteich.

Von nun an ging´s bergab. Immer entlang des Lahnbächleins, zunächst auf einem Waldweg, bald darauf auf einer kleineren Landstraße durch Glashütte und Volkholz bis Feudingen (395).Der Radweg ist gut ausgeschildert und man kann der Beschilderung gut folgen.
Weiter ging es über Bad Laasphe nach Biedenkopf (279), meistens entlang der Lahn bis Caldern. Da es schon später Nachmittag war und ich an diesem Tag noch Marburg erreichen wollte, verließ ich das Lahntal und fuhr über den Berg direkt nach Marburg. Dabei fuhr ich dann an diesem Wegweiser vorbei, hätte also doch tatsächlich auch noch Onkel Dagobert besuchen können....
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In Marburg (185) suchte ich dann die dortige Jugendherberge auf, die sehr schön direkt am Lahnufer und sehr zentrumsnah liegt. Ich nahm dort ein Einzelzimmer. So etwas geht gegen einen Aufpreis auch in einer JuHe.

                       
                              
Lahnquelle

Abends ging es dann ab in die Altstadt. Marburg hat in der Innenstadt einen öffentlichen Fahrstuhl, der einen hoch in die historische Altstadt fährt, die einfach nur sehenswert ist. Fachwerk, Fachwerk, Fachwerk. Ein gemütliches Lokal war schnell gefunden und anschließend ging´s ab in die Gassen. Dort gab es nämlich gerade ein Altstadtfest mit viel Musik und fröhlicher Stimmung.

 

2. Tag: Marburg-Weilburg 92 km

Am nächsten Vormittag war erst mal Stadt- und Schlossbesichtigung bei Tageslicht angesagt. Die Universitätsstadt glänzt mit zahlreichen historischen Bauten und das Schloss hoch über der Stadt ist auch eine Besichtigung wert. Im dortigen Rittersaalkeller soll sich übrigens das größte Winterquartier für Zwergfledermäuse befinden, d.h. dort überwintern regelmäßig ca. 5000 Zwergfledermäuse.

                       
                                     Marburg Rathaus                                                  Marburg alte Universität                                                    Marburg Schloss

 

Ab Marburg weitet sich das bis dahin enge Lahntal und die Gegend wird etwas eintönig. In Gießen (158) fand eine Landesgartenschau statt, d.h. man hat den Uferbereich der Lahn parkartig umgestaltet und besser an die Stadt angebunden. Die Stadt selbst muß im letzten Krieg wohl völlig dem Erdboden gleichgemacht worden sein. Jedenfalls gibt es keine nennenswerte und optisch ansprechende, historische Bausubstanz. So verließ ich die Innenstadt umgehend wieder und setzte meine Tour bis Wetzlar (206) fort.

Wetzlar ist wieder durchaus sehenswert. Am Domplatz legte ich zunächst eine verspätete Mittagspause ein und besichtigte anschließend das Museum des ehemaligen, dortigen Reichskammergerichts. Das Reichskammergericht war seit seiner Gründung im Jahr 1495 bis zu seiner Auflösung 1806 neben dem Reichshofrat das oberste Gericht des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation und hatte die Aufgabe, ein geregeltes Streitverfahren an die Stelle von Fehden, Gewalt und Krieg zu setzen.

Weiter ging es am Fluss entlang. Hin und wieder traf man auf alte Schleusen und Kanuten, die diese passierten.

Das Flusstal wurde wieder enger und damit auch idyllischer. Gegen Abend erreichte ich eines der weiteren Higlights, pardon Höhepunkte, der Tour, nämlich Weilburg (187).
Die Lahn umschlingt die auf einem Berg gelegene Altstadt samt Schloss fast vollständig. An der engsten Stelle wurde der Berg durchstochen und ein Kanaltunnel durch den Berg gebaut, der auch heute noch samt Schleusen von Hobbyschiffern und Kanuten befahren werden kann.


 

Da ich wie immer nicht vorgebucht hatte, gestaltete sich die Hotelsuche an diesem Abend etwas schwierig. Weil ich unbedingt in der Altstadt übernachten wollte, landete ich sowohl hotel- als auch preismäßig recht feudal im Schlosshotel. Man gönnt sich ja sonst nichts. Nach der üblichen Dusche und kleidungsmäßigen Rückkehr von Radler- in Zivilisationskluft standen dann der obligatorische Stadtbummel und eine Einkehr in einer Pizzeria an. 
                                                                 
                                                                                                                                                                  Weilburg Schloss                                        Weilburg Lahntunnel

 

 

3. Tag: Weilburg -Limburg - Nassau 83 km

 

Das Lahntal blieb weiter windungsreich, eng und idyllisch.
Es folgte schon bald das nächste Higlight, nämlich Runkel mit der gleichnamigen Burg. Unbedingt besichtigen, es sei denn man interessiert sich generell nicht für alte Gemäuer.

                          Burg Runkel

 

 



Kurz vor Limburg passiert man bei Dietkirchen noch die beeindruckende oben am Hang gelegene, ehemalige Stiftskirche St. Lubentius, bevor am Horizont Limburg (117) mit dem weithin sichtbaren, Limburger Dom auftaucht.

Die Altstadt ist wieder einmal absolut sehenswert, Fachwerk, Fachwerk, Fachwerk. Es gibt auch sehr gemütliche Lokale.
In eines davon kehrte ich ein und verlängerte meine Mittagspause, da mich hier zum zweiten und letzten Mal auf dieser Tour ein Regengebiet einholte und es kräftig duschte.


 

Das Bistum Limburg geriet 2013 heftig in die Schlagzeilen, weil der dortige Bischof sich einen pompösen, neuen Bischofssitz hatte errichten lassen und daraufhin "gebeten" wurde, sein Amt aufzugeben. Verhungert ist er nicht. Zwischenzeitlich ist Herr von Elst  wohl gut dotierter Beamter in der Vatikanverwaltung.

Der Schönheit der Stadt und des Doms, der letztlich wie alle schönen Kirchen der katholischen Kirche auf Kosten der armen Bevölkerung gebaut wurde, heute nennt man so etwas dann Elbphilharmonie oder Flughafen Berlin-Brandenburg, tut all dies keinen Abbruch.


Kurz nach Limburg folgt dann Diez, ebenfalls ein Kleinod. Wollte man alle Sehens-würdigkeiten entlang der Lahn ausführlich besichtigen, könnte man dort locker zwei Wochen verbringen. In der Nähe passiert man auch Schloss Oranienstein.
Die holländische Königsfamile hat dort ihre adligen und historischen Wurzeln.

Selbst kleine Dörfer, wie z.B. Dasenau sind mit ihrer gut erhaltenenen Stadtmauer und weiteren historischen Bauten einen Abstecher und ein Päuschen wert.

Abends landete ich dann im sprichwörtlichen Nassau und fand dort einen preis-günstigen Gasthof.



                                                           

                                                                                                                                                                                                                                                                                          Limburg Altstadt                                                Limburger Dom

 

4. Tag: Nassau - Koblenz - Bacharach 85 km  

Am nächsten Morgen ging es  zunächst weiter nach Bad Ems, historisch interessierten Zeitgenossen auch durch die "Emser Depesche" bekannt. 
Die Stadt ist ähnlich wie z. B. Karlsbad in Tschechien, geprägt von prachtvollen Hotelbauten und Villen aus dem 19. Jahrhundert. Die kanalisierte Ems hat hier schon eine beachtliche Breite. Der Fluss windet sich weiterhin idyllisch, um dann bei Lahnstein (74) oberhalb von Koblenz in den Rhein zu münden.

Nachdem das Wetter immer besser wurde und ich noch fast zwei Tage Zeit hatte, beendete ich meine Tour nicht wie ursprünglich geplant in Koblenz, sondern hängte noch einen Abschnitt Koblenz-Mainz an.
Per Rheintalbahn aber auch durch einen Urlaub mit meinen Eltern in sehr grauer Vorzeit, inzwischen bin ich grau, kannte ich den Flussabschnitt schon. Aber es ist, wie immer mit der Radlerei. Radfahren ist einfach die schönste und intensivste Möglichkeit, Land und Leute kennenzulernen (okay neben Wandern, aber das liegt mir nicht so)

Also ging es erstmal einige Kilometer den Rhein runter bis Koblenz (73). Die Festung Ehrenbreitstein thront imposant auf der gegenüberliegenden Flusseite und an der Moseleinmündung steht inzwischen wieder Kaiser Wilhelm I. auf seinem Denkmal am Deutschen Eck. Wir Deutschen haben mit unserer Historie und unseren Denkmälern ja so unsere Probleme. Jedenfalls gab es vor der Wiedererrichtung der Reiterstatue im Jahr 1993, übrigens von privat gespendet, heftige Diskus-sionen. Die zahlreichen Touristen stört es nicht und auch Koblenz dürfte inzwischen für eine Sehenswürdigkeit mehr nicht undankbar sein. In einem Gasthaus auf der Rheinterrasse gab es dann noch "Himmel und Erde" ( Gebratene Blutwurst-scheiben, Apfelmus und Kartoffelpüree) zum Mittagessen, bevor es frisch gestärkt rheinaufwärts und bei schönstem Sonnenschein immer direkt am Rhein entlang weiterging.                          
 
                         Lahnmündung                            
                                                       
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Der Rheinabschnitt zwischen Koblenz und Bingen ist sicher der reiz-vollste Teil einer Rheintour. Burgen, Burgen, Burgen und schöne alte Städte.
Zu meiner Überraschung ging der rheinaufwärts gesehene rechts-rheinische Radweg praktisch ständig direkt am Fluss lang und war nicht, wie zunächst angenommen, irgendwo zwischen Eisenbahnstrecke und Bundesstraße eingeklemmmt.
Auch der Blick auf die zahlreichen Schiffe auf dem Rhein hat etwas.
Die rheinaufwärts fahrenden Schiffe kann man mit dem Fahrrad überholen und auch das macht Spass.

                                                                                                                                                
                                                                                                                                   Festung Ehrenbreitstein                                                    Deutsches Eck

 
Fotografiert habe ich ohne Ende, der bekannte Fluch der digitalen Fotografiererei. Ich kenne noch die Zeiten, als ein Film 12 bzw. 36 Aufnahmen hatte und die Entwicklung der Bilder Geld kostete. Wie auch immer: Nachfolgend eine kleine Bildergalerie diverser Burgen inklusive Burg Stahleck, an deren Fuß das idyllische Bacharach (70) liegt.
Dort fand sich am Abend ein gemütliches Lokal und der Abend wurde mit einem Stadtbummel und einem  "Krüstchen" (hat gar keine Kalorien und besteht aus einem panierten Schnitzel mit Spiegelei auf Brot mit Bratkartoffeln) beschlossen. Ein guter lokaler Wein und ein gemütlicher Schwatz mit ein paar schon recht fröhlichen Einheimischen an der Theke rundeten das Ganze ab.

                                                                   Marksburg                                                                                       Kaub



                                                                                                                                                                                                     
                                                                                                                                                                                                                                     
Hauserker Bacharach


5. Tag: Bacharach - Mainz 64 km

Bevor ich am nächsten Morgen weiterfuhr, ging es noch steil nach oben zur Burg Stahleck, die als Jugendherberge genutzt wird und von der aus man einen fantastischen Ausblick auf das Rheintal hat und ehrlich: Ohne Pedelec wäre ich da nicht mal eben so hinauf-geradelt!

Weiter ging es bei schönstem Sonnenschein bis Bingen zum dortigen Fähranleger nach Rüdesheim. Ich hätte auch weiter auf der gleichen Rheinseite direkt bis Mainz radeln können, aber ich hatte noch Zeit und gab noch einmal voll den Touri. Rüdesheim, Drosselgasse und Niederwaldenkmal mussten einfach sein uns so eine kleine Fahrt über den Rhein macht ja auch Spaß.
Nun, die Drosselgasse in Rüdesheim ist im wesentlichen eine Anhäufung von Touristenabfütterungsstationen, oft nicht einmal rhein-ländischer oder wenigsten pseudo-rheinländischer Art, sondern Asia-Lokale, Döner und Ähnliches.
Das können die Bayern doch besser!
Dank Pedelec konnte ich mir es aber nicht verkneifen, dem Trubel nach oben zu entfliehen, d.h. die Landstraße durch die Weinberge hoch zum Niederwalddenkmal zu fahren. Das Denkmal stammt auch aus Reichsgründerzeiten und wurde 1877 errichtet.
Man hat von dort oben einen phantastischen Blick auf den Rheingau und kann, so man will, ja dem ein oder anderen historischen Gedanken nachhängen.

                   
               
                  Burg Stahleck

                                                                                                      

                                                                                                                                    Rheinüberfahrt Bingen
                                                                                                                                                                                                        
                                                                                                                                                                                                                             Niederwalddenkmal Rüdesheim

 

Zurück in Rüdesheim gönnte ich mir in einem guten Lokal mit Bier- bzw. Weingarten als Henkersmahlzeit ein gutes Spargelgericht und einen Rheinhessen, bevor es dann zur letzten Etappe über Eltville bis Mainz ging. Kurz vor Eltville wanderte noch eine Graugansfamilie am Ufer entlang und so soll das Bild des Gänsekükens mein letzte Foto auf dieser Seite sein. In Mainz ging es dann am späten Nachmittag zum Bahnhof und zurück nach Hause.


 

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Weitere Radtourenberichte auf: Meine Radtouren
                                                               

 

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